U-Bahnhof Nürnberg
Licht & Frischluft für den Nürnberger Untergrund
Unter Nürnbergs Straßen wurde aus einer technischen Sanierung ein architektonisches Statement: Die U-Bahnstation Rennweg hat ihre Verbindung zum Obergrund zurückgewonnen. Neue Glaskuppeln bringen nicht nur Helligkeit und Frischluft in den Untergrund, sondern vereinen auch Sicherheit, Funktionalität und Gestaltung. Ein Projekt, das zeigt, wie moderne Stadtplanung Räume unter der Erde lebenswerter macht.
Unter der Oberfläche moderner Großstädte beginnt eine eigene Welt – gebaut aus Beton und Stahl. Wer eine U-Bahnstation betritt, lässt das Tageslicht hinter sich. Man steigt hinab, verlässt vertraute Orientierungspunkte und verliert nicht selten das Gefühl für Zeit und Raum.
Insbesondere das Tageslicht – oder sein Fehlen – prägt die Atmosphäre dieser Orte. Wo kein Licht ist, entsteht ein Gefühl von Enge, Orientierungslosigkeit und Anonymität. Bestärkt wird dieses Gefühl oft auch durch die stehende Luft und insgesamt eher drückende Atmosphäre. Umso bedeutsamer sind architektonische Elemente, die Licht & Frischluft unter die Erde holen und eine Sichtbeziehung zur Außenwelt herstellen.
Ein Beispiel, wie diese Verbindung gelingen kann, ist der Nürnberger U-Bahnhof Rennweg, der seit seiner Eröffnung im Mai 1993 durch seine markanten Lichtkuppeln eine bewusste Beziehung zwischen Bahnsteigebene und Straßenraum herstellt. Die Wände und Decke zieren bunte Graffitis Nürnberger Künstlerinnen und Künstler.
Die alten Oberlichter litten an Materialermüdung und stellen ein Sicherheitsrisiko für Passanten dar.
Architektur, Funktionalität und Dauerhaftigkeit im Einklang
Mehr als 30 Jahre nach der Inbetriebnahme der Station litten die ursprünglich installierten Lichtkuppeln aus Polycarbonat an Materialermüdung. Sie waren spröde, ließen kaum noch Tageslicht ins Innere und stellten ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Denn die Oberlichter befinden sich, oberhalb der U-Bahnstation, für Passanten auf Bodenniveau inmitten einer Fußgängerzone. Zwischenzeitlich mussten sie rundum mit Bauzäunen gesichert werden, um das Ab-/ und Durchstürzen zu verhindern.
Neben den sicherheitsrelevanten Defiziten ergab ein brandschutztechnisches Gutachten die Notwendigkeit, Rauchabzugsöffnungen in mindestens zwei der sieben Oberlichter zu integrieren, um im Ernstfall eine sichere Entrauchung der Bahnsteigebene zu gewährleisten.
Diese funktionalen Anforderungen, kombiniert mit den gestalterischen Ansprüchen an ein harmonisches Straßenbild, führten zu einer grundlegenden Neukonzeption. Alle sieben Oberlichter wurden mit einer entsprechenden Lamellenlüftung und integrierten Wetterschutzgittern versehen. Dies ermöglicht einen dauerhaften Luftaustausch. „Die Entscheidung, alle Lichtkuppeln auf ein einheitliches Niveau zu bringen, war aus unserer Sicht absolut richtig – nicht nur technisch, sondern auch gestalterisch“, so Rüdiger Schultze, U-Bahnbauamt von der Stadt Nürnberg.
Die Umstellung auf eine moderne Glaslösung wurde ebenfalls bewusst getroffen – aus sicherheits-, lichttechnischen und gestalterischen Gründen. „Glas – einfach wegen der Helligkeit. Natürliches Licht in die U-Bahnstation – das war mit den alten Kuppeln nicht mehr der Fall, da kam nichts mehr an“, berichtet Schultze. Neben der Verbesserung der Tageslichtausbeute wurde durch die neue Konstruktion auch maßgeblich die Sicherheit und Langlebigkeit der Oberlichter sichergestellt.
Zur Realisierung der freien Dachform wurde das System Glasline von INDU LIGHT eingesetzt. Das schmale Rahmenprofil bietet hohe Flexibilität in der architektonischen Gestaltung und erfüllt damit ideal die Anforderungen des Bauherrn.
Technische Umsetzung im laufenden U-Bahn-Betrieb
Eine besondere Herausforderung bestand darin, die Baumaßnahmen im laufenden Betrieb der U-Bahnlinie und in einem belebten Wohnumfeld umzusetzen. Die Haltestelle liegt in einem verkehrsberuhigten Bereich mit hohem Fußgänger- und Radverkehrsaufkommen, ringsum befinden sich Wohnhäuser. Um den Interessen des Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) und der Anwohner rund um den Rennweg gerecht zu werden, wurde ein stringentes Just-in-Time-Konzept realisiert und mit einem hohen Maß an werkseitiger Vorfertigung kombiniert.
Die neuen Glaskuppeln bestehen aus einer begehbare Sicherheitsverglasungen gemäß DIN 18008-6 und einem 8-eckigen Stahlunterbau von 3,7 m Durchmesser. Um die Montageleistung vor Ort so gering wie möglich zu halten, wurden die Oberlichter von INDU LIGHT vormontiert und mit Hilfe von drei nächtlichen Schwertransporten nach Nürnberg geliefert. Jeder Transport wurde einzeln abgewickelt und mit der jeweils unmittelbar nachfolgenden Montage gut abgestimmt werden, um Platz, Zeitfenster und Sicherheitsvorgaben exakt einzuhalten.
„Unsere Monteure mussten gegen 5 Uhr früh auf der Baustelle sein, um die Anlieferung abzuwickeln, denn der Schwerlasttransport musste bis 6 Uhr morgens abgeschlossen und das Stadtgebiet wieder verlassen haben“, beschreibt Projektleiter Simon Gervers von INDU LIGHT die logistische Herausforderung. Denn um den Sattelzug in den verkehrsberuhigten Bereich des Rennwegs zu bringen, mussten Straßensperrungen veranlasst und Sondergenehmigungen eingeholt werden. „Die Herausforderung war, die Straße so schnell als möglich wieder für den Verkehr freizugeben, ohne groß Lärm zu verursachen, um die Anwohner nicht zu stören“, so Gervers weiter.
Die sieben Lichtkuppeln wurden durch ein modernes System mit integrierter Lüftungsfunktion aus Glas ersetzt.
Die Zusammenarbeit mit INDU LIGHT wurde von allen Beteiligten als äußerst partnerschaftlich erlebt: „Das war wirklich ein sehr menschliches Miteinander – von der Kommunikation bis zur Umsetzung“, so Rüdiger Schultze, U-Bahnbauamt der Stadt Nürnberg. Mit dem Einsatz des Glasline-Systems konnte nicht nur die Funktionalität und Sicherheit entscheidend erhöht, sondern auch ein gestalterisches Zeichen für moderne U-Bahnarchitektur gesetzt werden – hell, offen und passgenau.
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